Ernährung und Umwelt

In Abhängigkeit vom untersuchten Umweltindikator trägt der Bereich der Ernährung ganz wesentlich zu den verschiedenen Umweltwirkungen bzw. Umwelt beeinflussenden Effekten in Deutschland bei. Die Spannweite reicht hier von 95 % bei den Ammoniakemissionen, 50% beim Flächenbedarf und 25 % beim Treibhauseffekt bis zu immer noch 15 % des Endenergieverbrauchs (Enquete Kommission 1995, Taylor 2000, Wiegmann et al. 2005, Meier & Christen 2012).

Neben Auswirkungen im Inland werden zudem, bedingt durch die starke Einflechtung des deutschen Agrar- und Ernährungssektors in den europäischen und globalen Handel, Umwelteffekte im Ausland verursacht. Produktions- und Verbrauchspraktiken in Deutschland tragen somit zur Verschärfung international relevanter Probleme bei. Dazu zählen u.a. Regenwald- und Biodiversitätsverlust sowie die übermäßige Nutzung knapper Ressourcen, wie fossile Energieträger, Phosphor und Süßwasser (EC 2013, Lenzen et al. 2012).

 

Treibhausgasemissionen

Das von der Bundesregierung hinsichtlich Klimaschutz avisierte Ziel sieht vor, bis 2020 die Treibhausgasemissionen in Deutschland um 40% und bis 2050 um 80%, bezogen auf das Jahr 1990, zu reduzieren (BMU 2007, G8 2009).

Für Deutschland würde sich damit eine Obergrenze der jährlichen zulässigen Emissionen von 250 Mio. t CO2e für das Jahr 2050 ergeben. Bezogen auf das Jahr 2008 ergäbe sich bis 2050 eine jährliche Gesamtreduktion um 74% bzw. 679 Mio. t CO2e.

Derartige Reduktionsziele sind ohne Emissionseinsparungen im Bereich Landwirtschaft-Ernährung nur schwer erreichbar, da sich dieser Bereich laut BMELV (2008) bereits für ca. 280 Mio. t CO2e verantwortlich zeichnet.

 

Ammoniakemmissionen

Erhöhte Ammoniakemissionswerte werden neben Nitrat-Auswaschungen und N2O-Emissionen durch unausgeglichenen Stickstoffsalden bzw. Stickstoff-Überschüsse bedingt. Mit Unterzeichnung des Göteborg-Protokolls 1999 und der NEC-Richtlinie 2001/81/EG hat sich Deutschland verpflichtet, ab 2010 die Höchstgrenze für die Emissionen von Ammoniak von 550.000 t jährlich nicht zu überschreiten (EUP & EUR 2001).

Trotz der Nähe zum Zielwert sind seit 2006 die nationalen NH3-Emissionen von 577.000 t auf 600.000 t im Jahr 2009 angestiegen. Damit wird es unwahrscheinlicher, dass der Zielwert im Jahr 2010 erreicht wird. Bedingt durch den Zeitverzug in der Berichterstattung lagen zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Arbeit noch keine Zahlen für das Jahr 2010 vor. Dennoch ist es unwahrscheinschlich, dass ohne zusätzliche Maßnahmen im Agrarsektor dieser Höchstwert dauerhaft unterschritten werden kann.

 

Ammoniak wird für eine Reihe von ungünstigen Auswirkungen auf die Umwelt bzw. und die menschliche Gesundheit verantwortlich gemacht (Heyes et al. 2011, Amman et al. 2011):

  • Gesundheit: Beitrag zur Bildung von Feinstaub, Geruchsbelastung

  • Umwelt: Beitrag zur Eutrophierung, Versauerung

  • Klima: Beitrag zu kurzfristigen Treibhauseffekten

Ein weiteres v.a. in der Landwirtschaft relevantes Problem stellt der Stickstoffüberschuss bei der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen dar. Als Zielmarke für das Jahr 2010 hat sich die Bundesregierung einen Überschuss von 80 kg Stickstoff pro ha und Jahr gesetzt (2006: 107kg/ha).

Obwohl der N-Überschuss im bundesdeutschen Durchschnitt einhergehend mit rückläufigen Viehbestandszahlen in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung im gleitenden 3-Jahresmittel von 130 kg im Jahr 1991 auf 95 kg pro Hektar im Jahr 2009 abfiel, wurde die Zielmarke von 80 kg pro Hektar und Jahr im Jahr 2010 nicht erreicht. Für das Jahr 2010 wurde ein vorläufiger Wert von 96 kg pro Hektar dokumentiert (Destatis 2012).

Neben Treibhausgas- und Ammoniakemissionen wurden im Rahmen des Forschungsvorhabens weitere Umweltindikatoren untersucht: Flächenbedarf, Bedarf an blauem Wasser, Phosphorbedarf und Kumulierter Primärenergieverbrauch (PEV).

 

Ernährung und Gesundheit

Neben Umweltrisiken werden mit der zunehmenden Verbreitung westlicher Konsummuster auch Gesundheitsrisiken und finanzielle Belastungen für Gesundheitssysteme diskutiert. Das Überangebot an Kalorien und spezifische Inhaltsstoffe, wie bspw. gesättigte Fettsäuren und Häm-Eisen (in rotem Fleisch) sowie einfache Kohlenhydrate (u.a. in zuckerhaltigen Getränken) stehen in der Kritik an der Entstehung von chronischen Erkrankungen maßgeblich mit verantwortlich zu sein. Zu nennen sind Übergewicht, Diabetes, Gicht, Herz- Kreislauferkrankungen und bestimmte Formen von Krebs (WHO 2006, Lim et al. 2012).

In Deutschland sind die Gesundheitsausgaben von 213 Milliarden € im Jahr 2000 auf 294 Milliarden € im Jahr 2011 gestiegen – mit einem ansteigenden Anteil am Bruttoinlandsprodukt (in diesem Zeitraum von 10% auf 12%, destatis 2013). Für das Jahr 1990 wurde ermittelt, dass rund 30% aller Krankheitskosten durch ernährungsrelevante Faktoren verursacht wurden (Kohlmeier et al. 1993). Aktuellere Daten dazu liegen derzeit nicht vor.

Obwohl sich seit 1990 das Ernährungsverhalten in Deutschland in beachtlichem Maß geändert hat, sind die Rahmenparameter einer ausgewogenen Ernährung noch nicht erreicht. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass mit der stärkeren Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung, beispielsweise durch Orientierung an den offiziellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE 2013), mit einer deutlichen finanziellen Entlastung des Gesundheitssystems zu rechnen ist.

 

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Literaturquellen

Amann, M.,I. Bertok, J. Borken-Kleefeld, J. Cofala (2011): An Updated Set of Scenarios of Cost-effective Emission Reductions for the Revision of the Gothenburg Protocol. Centre for Integrated Assessment Modelling (CIAM), International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), Laxenburg, Austria.

BMELV (2008): Bericht des BMELV für einen aktiven Klimaschutz der Agrar-, Forst- und Ernährungswirtschaft und zur Anpassung der Agrar- und Forstwirtschaft an den Klimawandel. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Berlin.

BMU (2007): Das Integrierte Energie- und Klimaprogramm der Bundesregierung. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Berlin.

Destatis (2012): Indikatoren zur nachhaltigen Entwicklung Deutschlands: Stickstoffüberschuss. Genesis-Online Datenbank des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden.

Destatis (2013): Abfrage in der Genesis-Datenbank. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden

DGE (2013): Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE. Bonn

EC (2013): The impact of EU consumption on deforestation: Comprehensive analysis of the impact of EU consumption on deforestation. European Commission, Brüssel

Enquete-Kommission (1995): Mehr Zukunft für die Erde, Nachhaltige Energiepolitik für dauerhaften Klimaschutz. Schlussbericht der Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" des 12. Deutschen Bundestages. Economica-Verlag, Bonn. S. 1317 ff.

EUP & EUR (2001): Richtlinie 2001/81/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2001 über nationale Emissionshöchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe. Amtsblatt der Europäischen Union, Brüssel.

G8 (2009): Responsible leadership for a sustainable future. G8 Summit, L`Aquila.

Heyes, C., Z. Klimont, F. Wagner, M. Amann (2011): Extension of the GAINS model to include short-lived climate forcers. Mitigation of Air Pollution and Greenhouse Gases (MAG) Program. International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), Laxenburg, Austria

Kohlmeier et al. (1993): Ernährungsbedingte Krankheiten und ihre Kosten. Nomos-Verlag, Baden-Baden

Lenzen et al. (2012): International trade drives biodiversity threats in developing nations. Nature 486 (7401): 109–112

Lim et al. (2012): A comparative risk assessment of burden of disease and injury attributable to 67 risk factors and risk factor clusters in 21 regions, 1990–2010: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2010. In: The Lancet 380 (9859): 2224–2260.

McMichael, Anthony J., J. W. Powles, C. D. Butler, R. Uauy (2007): Food, livestock production, energy, climate change and health. Lancet 370 (9594): S. 1253–1263.

Meier, T., O. Christen (2012): Gender as a factor in an environmental assessment of the consumption of animal and plant-based foods in Germany. In: Int J Life Cycle Assess 17 (5): 550–564.

Taylor C. (2000): Ökologische Bewertung von Ernährungsweisen anhand ausgewählter Indikatoren. Dissertation. Justus-Liebig-Universität, Gießen.

Tukker, A., R.A. Goldbohm, A. de Koning, M. Verheijden, R. Kleijn, O. Wolf et al. (2011): Environmental impacts of changes to healthier diets in Europe. In: Ecological Economics 70 (10): S. 1776–1788.

Weidema B.P., Wesnaes M., Hermansen J., Kristensen T., Halberg N. (2008): Environmental Improvement potentials of Meat and Dairy Products. Joint Research Center (JRC) Scientific and Technical Reports, Insititute for Prospective and Technological Studies, Sevilla.

Wiegmann, K., U. Eberle, U.R. Fritsche, K. Hünecke (2005): Umweltauswirkungen von Ernährung – Stoffstromanalysen und Szenarien. BMBF-Forschungsprojekt „Ernährungswende“, Diskussionspapier Nr. 7. Öko-Institut e. V. – Institut für angewandte Ökologie, Darmstadt/Hamburg.

WHO (2006): Global Burden of Disease and Risk Factors. World Health Organization, Genf.

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